Reisebericht
eines jungen Paares ( 33 Jahre und 35 Jahre alt) über ihren Aufenthalt
in der Sierra Nevada

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Hallo Ihr Lieben,

zum ersten Mal versuchen wir uns nun an einer  "Kettenmail", da wir unseren Reisebericht möglichst vielen Freunden zukommen lassen wollen. Das nächste Mal gibt es selbstverständlich wieder ganz persönliche Post!

Im Dezember haben wir nach vielen Versuchen endlich ein Reisebüro in Malaga gefunden, wo man  eine Skigruppenreise buchen konnte. Das hört sich zunächst einfach an, war es aber überhaupt nicht! Man bestätigte uns schließlich, dass natürlich viele Leute  in unserem Alter mitreisen würden, denn unser Hauptziel war bekanntlich, ein paar "Einheimische" unseren Alters kennen zu lernen und ein wenig unsere Sprachkenntnisse zu verbessern. Als Haken an der Sache blieb, dass man nur in der so genannten "semana blanca", eine Art Schulferien hier in Andalusien, fahren  konnte. Also nicht gerade die beste Zeit für leere Pisten. Dennoch buchten  wir den Urlaub und zahlten selbstverständlich pünktlich den geforderten Betrag.

Sollte man meinen, dass irgendwann eine Bestätigung oder gar nähere Reiseunterlagen oder -beschreibungen gekommen wären, weit gefehlt!
Wir sind hier schließlich in Spanien und machen leider zunehmend die Erfahrung, dass man mit unserem  Organisations- oder gar Dienstleistungsgedanken absolut fehl am Platz ist.  Also, nix für die alten Preußen!
Macht ja auch nichts, wir haben also hinterhertelefoniert, wie denn nun alles von Statten ginge. Unglaublich aber wahr, wir mussten ein weiteres Mal den Weg nach Malaga auf uns nehmen, nur um ein Stück Papier mit den Abfahrtsdaten entgegenzunehmen. Nein, man könne das nicht zuschicken, wir müssten auf alle Fälle persönlich vorbeikommen. Nun gut, Malaga ist immer eine Reise wert. Dass man sich nicht viel Mühe gegeben hat, uns am Telefon in gemäßigtem Spanisch (sprich mit allen "s" und in  halbwegs verständlichem Tempo) alles zu erklären und auf unsere Frage nach  den Öffnungszeiten des Büros und ob es eine Siesta gäbe, schnippisch antwortete:  Natürlich, wie überall in Spanien ! - das lassen wir mal bei Seite. Es ist doch schon eine Gnade, das man uns überhaupt mitnimmt.

Dennoch, voller Vorfreude traten wir letzten Sonntag die Reise am Busbahnhof Malaga an. Erst dachten wir, wir hätten den falschen Bahnsteig erwischt, waren wir doch von  ausschließlich Jugendlichen in typisch pubertierender Manier umgeben. Aber nein, dies waren unsere Reisegefährten. Nun gut, nicht ganz in unserem Alter, etwa halb so alt, aber man soll ja nicht kleinlich sein.
Unterwegs kündigte man dann an, die Businsassen sollten sich schon mal über die Zimmeraufteilung einigen, selbstverständlich Jungen und Mädchen getrennt auf die zur Verfügung  stehenden Fünfer- , Siebener- und Achterzimmer! Etwas ungläubig fragten wir  den (jugendlichen) Reiseleiter, das dies doch wohl ein Irrtum wäre und für uns nicht gelten könnte. Aber er konnte uns zunächst nichts anderes zusagen.  Die Hinfahrt war daher schon mal durch die Vorfreude auf eine schlaflose  Nacht im Etagenbett versüßt und den Überlegungen, wie man denn am nächsten Tag am besten wieder nach Hause käme und ob es wohl eine gewisse Chance gäbe, wenigstens einen Teil des Reisepreises zurück zu erhalten.
Nach einem kurzen  Zwischenstop von zwei Stunden in Granada, wo man das im Reisepreis  inbegriffene Skimaterial aus Anfang der 80er erhielt, gelangten wir dann gutgelaunt in unserem zugegeben gemütlichen Hotel an. Nach einem guten Essen erhielten wir dann die freudige Nachricht, dass man für uns noch ein Viererzimmer aufgetan hätte, wo bislang noch keiner schlafen würde, und vielleicht hätten wir ja Glück, dass niemand mehr käme...
Nein,  nein, solltet ihr bislang gedacht haben, dass es sich um eine Sparreise handelte, Irrtum! Man hatte uns für die 5 Tage Halbpension (in einem sehr schönen Hotel) inkl. Skipass immerhin ca. 750 DM pro Person abgeknöpft. Nun denn, ein Zimmer mit Etagenbetten, direkt über dem Dunstabzug der Küche und  unter den Riesenräumen der "Teeniezimmer" versprach und hielt auch den Genuss von kurzen Nächten.

Am nächsten Tag schien aber die Sonne, es gab  unglaublich viel Schnee und alles konnte nur gut werden. Aber leider war  niemand aus unserer Skigruppe aufzufinden. Unser Betreuer hatte uns am Abend zuvor zugesagt, er würde alles morgens beim Frühstück klären. Er hatte uns auch noch freundlich am kalten Frühstücksbuffet gegrüßt, um sich dann  heimlich vom Acker zu machen. Nein, es war in der Tat keine Boshaftigkeit, aber der Veranstalter hatte sich eine Reise mit über 300 Personen in diversen  Hotels aufgehalst und dementsprechend seinen hartgesottensten Mann in den Kampf geschickt. Die Skipässe wurden natürlich nicht am Vortag bereits geholt  und entsprechend verteilt, warum auch, dafür war doch der erste Skitag  bestens geeignet.
Irgendwann haben wir unseren Reiseleiter nach langem Suchen im Ort zwischen  Massen von Skiurlaubern gefunden. Warm machen brauchten wir uns an diesem Tag nicht mehr.
Dann ging es rauf zum Skikurs. Dort forderten uns die einheimischen Skilehrer auf, den vollsten Lift nach oben zu nehmen. Etwa  50 Personen sollten vorfahren, damit die Gruppeneinteilung auch stimmig sei. Gesagt getan. Nach eineinhalb Stunden war dies dann auch erledigt und  die letzte halbe Stunde wurde für eine Abfahrt genutzt. War ja nicht so schlimm, dass der erste Tag nun fast vorbei war, es warteten ja noch vier  weitere.

An denen war aber leider kein Skifahren möglich, da ein  bislang noch nie dagewesenes Unwetter einsetzte. Abwechselnd hatten wir es mit dickstem Nebel, Schnee bzw. Hagel und in den letzten 24 Stunden mit Dauerregen zu tun. Das ganze dann bei Windgeschwindigkeiten bis 100 km/h.
Aber es gab ja eine "günstige" Sauna im Ort, in der wir uns den etwas  ungewöhnlichen Saunariten der Spanier und Portugiesen (möglichst viel Schweiß aufs Holz, d.h. auf keinen Fall mit Handtuch, aber immer mit Badezeug! ) aussetzten.

Warum soll man nie auf eigene Faust bei guten Wetter außerhalb der Ferienzeit fahren? Dann hat man nichts zu meckern.

 So vergingen die Tage und die Abreise nahte. Man sagte uns, wegen des schlechten Wetters käme der Bus nicht bis zum Hotel. Wir sollten das Gepäck in einen kleinen Transporter legen und zu Fuß zum Parkplatz oberhalb des Dorfes gehen. Kein Problem,  wir packten uns in  Skikleidung und nahmen trockene Kleidung und Schuhe ins Handgepäck. Nun  gut, von den schnuckeligen Mädchen durfte man dies nicht erwarten, wollten sie doch auf alle Fälle auch bei Unwetter auf 2000 m Höhe ihre Sommerkleidung vorzeigen. Okay, es war nicht abzusehen, dass man die ganze Gruppe nicht nur durch den stärksten Sturm sondern auch an eine ungeschützte Stelle jagen würde, wo kein Bus auf uns wartete. Welch eine Glanzleistung des Veranstalters! Nach etwa einer Stunde im peitschenden Schneeregensturm (dies ist wirklich keine Übertreibung, es gab Windböen von über 120 km/h und Hagel) kam dann endlich die Erlösung. Aber auch darum mussten wir noch kämpfen, denn der Bus war zwar für den  Reiseveranstalter aber für ein anderes Hotel bestimmt.
Fazit: die ganze Sache hätte uns von Anfang an spanisch vorkommen müssen!

Nun sitzen wir wieder in unserem herrlich ruhigen, warmen Haus und kurieren unsere Erkältung aus. Was wäre das Reisen doch langweilig, ohne solche Erlebnisse!

Ihr  seht, nicht nur ihr habt schlechtes Wetter

besos
Stefan und Katja